Elf Lelit-Geräte haben wir bisher getestet: die Einkreis-Maschine Victoria, den Zweikreiser Mara X in drei Generationen, die Dualboiler Elizabeth, Elizabeth 3 und Bianca, dazu vier Espressomühlen. Bis auf die Elizabeth 3 haben wir jedes dieser Geräte selbst gekauft, denn unabhängige Espressomaschinen-Tests sind die Grundlage unserer Arbeit. Die Elizabeth 3 haben wir vor dem Marktstart bekommen, als Lelit noch keine Rechnung stellen konnte. Den Kaufpreis spenden wir an ein Sozialprojekt in Brasilien.
Auf dieser Seite bündeln wir, was wir gemessen haben: welche Lelit für welchen Bedarf taugt, wo die Marke stark ist und wo sie ihre Versprechen nicht hält.
Wir sind eine Kaffeeschule in Basel und im Ruhrgebiet, mit eigener Rösterei, drei Cafés und einer tief integrierten Arbeit mit Kaffeefarmen auf verschiedenen Kontinenten. Espressomaschinen und Mühlen messen wir nach eigenem Protokoll: Aufheizzeit, Temperaturabweichung über mehrere Bezüge nach KM- und WBC-Protokoll, Stromverbrauch in kWh, bei Mühlen zusätzlich Totraum, Mahlgeschwindigkeit, Dosierkonstanz und die Partikelverteilung im Laser-Diffraktometer. Wie das genau funktioniert, steht im Testprotokoll Espressomaschinen und im Testprotokoll Espressomühlen.
Alle unsere Gerätetests im Vergleich findest du unter Espressomaschinen im Test und Beste Espressomühlen für Zuhause. Wenn du weniger an der Maschine als am Ergebnis in der Tasse interessiert bist: Espresso zubereiten erklärt Rezept, Mahlgrad und Extraktion von Grund auf.
Lelit: von Bügeleisen zu Prosumer-Siebträgern
Lelit ist keine alte Espressomaschinen-Dynastie. Die Firma entstand 1986 in der Provinz Brescia, gegründet von Maria Bellini und ihrem Mann Edoardo Epis. Der Name ist die Abkürzung von „L'Elettrodomestico Italiano", und produziert wurden zunächst Dampfbügelsysteme. Bügeleisen baut Lelit bis heute, rund 30.000 Stück pro Jahr.
Auch das Gründungsdatum ist nicht eindeutig belegt: Die englischsprachige Wikipedia nennt 1986 und Baitella bei Brescia, die Brescianer Tageszeitung Bresciaoggi nennt 1986 und San Vigilio di Concesio, die Übernahmemitteilung von Breville nennt 1985 und Castegnato. Castegnato ist der heutige Standort.
Kaffeemaschinen kamen als zweites Geschäftsfeld dazu, aufgebaut von den Söhnen des Gründerpaars. Zum genauen Zeitpunkt widersprechen sich die Quellen: Bresciaoggi datiert den Einstieg in die Entwicklung und Produktion von Espressomaschinen auf 1992, die englischsprachige Wikipedia nennt 2002 als Beginn des Fokus auf halbautomatische Siebträger. Beides kann stimmen, wenn man zwischen ersten Geräten und der strategischen Ausrichtung unterscheidet.
Für uns interessant ist ohnehin ein späteres Datum. Erst 2017 mit der Bianca und 2019 mit der Mara X betrat Lelit den Prosumer-Markt, also das Segment zwischen Haushaltsgerät und Gastromaschine. Genau diese beiden Modelle begründen bis heute den Ruf der Marke.
Danach ging es schnell. Der Umsatz stieg von 13 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 39 Millionen. 2020 verkaufte Lelit 48.000 Espressomaschinen und vergrößerte die Belegschaft innerhalb eines Monats von 80 auf 230 Personen, um die Nachfrage zu bedienen. Heute beschäftigt das Unternehmen knapp 200 Menschen, und das Werk in Castegnato liefert jährlich über 50.000 Kaffeemaschinen aus.
Die Übernahme durch Breville
Am 11. März 2022 kündigte die australische Breville Group an, 100 Prozent von Lelit zu übernehmen. Kaufpreis: rund 113 Millionen Euro, zur Hälfte in Bargeld, zur Hälfte in Breville-Aktien zu 27,64 australischen Dollar mit einer fünfjährigen Haltefrist. Vollzogen wurde die Transaktion Anfang Juli 2022, nachdem die bisherige Trägergesellschaft Gemme Italian Producers srl das Kaffeegeschäft in eine neue Lelit srl überführt hatte.
Die Gründerfamilie und Teile des Managements wechselten mit ins Breville-Lager. Zum Zeitpunkt der Übernahme war Emanuele Epis CEO von Lelit, inzwischen führt laut Wikipedia sein Bruder Mauro Epis das Unternehmen.
Breville-Chef Jim Clayton formulierte es so, hier in unserer Übersetzung: „Die Übernahme von Lelit bringt die beiden großen Kaffeekulturen der Welt zusammen, die italienische und die australische." Marketing-Sprache, sicher. Praktisch relevant ist etwas anderes: Breville besitzt auch Baratza. Damit sitzen Espressomaschinen und Mühlen aus dem Spezialitätensegment im selben Konzern, und Lelit bekommt Zugang zu Vertriebsstrukturen außerhalb Europas sowie zu zahlreichen Patenten aus dem Hause Breville. Das zeigt sich unter anderem in der Pagaia-Steuerung, die auf Patenten von Sage aufbaut.
Die Angaben zur Firmengeschichte stammen nicht aus eigenen Recherchen vor Ort, sondern aus Sekundärquellen: der Übernahmemitteilung von Breville, Berichten von Comunicaffè und Bresciaoggi sowie der englischsprachigen Wikipedia. Zahlen zu Umsatz und Stückzahlen können wir nicht unabhängig prüfen. Alle Messwerte weiter unten sind dagegen unsere eigenen.
Produziert wird weiter in Castegnato. Ob das so bleibt, wird man sehen. Für Käufer heute heißt das: Lelit ist eine italienische Fertigung mit australischem Eigentümer, kein umgelabeltes Zukaufprodukt.

Wie Lelit seine Baureihen sortiert
Lelits Modellnamen sind Vornamen, die Typenbezeichnungen sind PL-Nummern. Das wirkt willkürlich, folgt aber einer Logik über die Brühgruppe. Drei Linien stehen nebeneinander:
Die 57-Millimeter-Linie mit hauseigener Gruppe umfasst die Einsteigermodelle Anna (PL41), Anita (PL042, mit eingebautem Kegelmahlwerk) und die ausgelaufene Grace (PL81). Gemeinsame Merkmale sind ein 250-Milliliter-Messingkessel, ein Dreiwegeventil und ein einstellbares Überdruckventil. Wir testen diese Maschinen derzeit. Der Test ist aufwendiger, weil wir speziell für diese Geräte einen eigenen Temperatursensor haben entwickeln lassen.
Die 58-Millimeter-Linie ohne E61-Gruppe umfasst Victoria (PL91), Kate (PL82), die ausgelaufene Glenda (PL41PLUST) und die Dualboiler-Elizabeth (PL92). Die Victoria hat einen 300-Milliliter-Messingkessel, die Elizabeth einen 300-Milliliter-Brühkessel plus einen abschaltbaren 600-Milliliter-Dampfkessel. Seit Oktober 2026 kommen hier die Elizabeth 3 und die Victoria 3 mit Pagaia dazu. Die Elizabeth 3 hat einen auf 200 Milliliter verkleinerten Brühkessel, der Dampfkessel bleibt bei 600 Millilitern.
Die E61-Linie mit einer 58-Millimeter-Gruppe nach dem Vorbild der Faema E61 besteht aus dem Wärmetauscher Mara X (PL62X) und dem Dualboiler Bianca (PL162T). Die Bianca fährt einen 800-Milliliter-Brühkessel und einen 1,5-Liter-Dampfboiler, die Mara X einen 1,8-Liter-Kessel. Was diese Brühgruppe technisch ausmacht, steht in unserem Artikel zur Faema E61 Brühgruppe.
Modellübersicht: was wir getestet haben
| Modell | Bauart | Brühgruppe | Unser Test |
|---|---|---|---|
| Victoria PL91T | Einkreiser mit PID | 58 mm, Lelit | Zum Test |
| Mara X V2 (PL62X) | Wärmetauscher | 58 mm, E61 | Zum Test |
| Mara X3 (PL62X3) | Wärmetauscher mit Pagaia | 58 mm, E61 | Zum Test |
| Elizabeth PL92T | Dualboiler | 58 mm, Lelit | Zum Test |
| Elizabeth 3 | Dualboiler mit Pagaia und Druckprofilen | 58 mm, Lelit | Zum Test |
| Bianca V3 (PL162T) | Dualboiler mit Flow Control | 58 mm, E61 | Zum Test |
| Steve (PM20) | Espressomühle, Zeitdosierung | 64 mm Scheibenmahlwerk | Zum Test |
| William PL72 | Espressomühle | Scheibenmahlwerk | Zum Test |
| Fred PL044MMT | Espressomühle, Einstieg | Kegelmahlwerk | Zum Test |
| Fred PL043MMI | Espressomühle, Einstieg | Kegelmahlwerk | Zum Test |
Nicht getestet haben wir bisher die Anna PL41TEM, die Anita, die Kate und die Victoria 3. Anna und Anita stehen bei uns in Arbeit. Zur Bianca V4 und zur Victoria 3 folgen weitere Messungen Ende 2026 und Anfang 2027.
Welche Lelit solltest du kaufen?
Die Frage „welche Lelit ist die beste" führt in die Irre. Die Modelle unterscheiden sich vor allem darin, für welche Trinkgewohnheit sie gebaut sind. Wir gliedern deshalb nach Bedarf.
Du trinkst fast nur puren Espresso, ein bis drei am Tag
Die Victoria PL91T reicht. Ein Einkreiser mit PID, 10,9 Kilogramm, 23,5 Zentimeter breit, für rund 800 Euro. Im WBC-Protokoll messen wir über 14 Bezüge eine Standardabweichung von 1,28 Grad, was für diese Bauart in Ordnung ist. Was du in Kauf nimmst: 23 Minuten Aufheizzeit und einen Umschaltvorgang, wenn du danach Milch aufschäumen willst. Die Dampfleistung ist gering, für einen Einkreiser aber typisch. Für einen Cappuccino am Wochenende geht das, für vier hintereinander nicht.
Wir haben eine Routine dokumentiert, die die Wartezeit von 23 Minuten deutlich verkürzt: 3 Minuten aufheizen, bis die Maschine Espresso-Temperatur meldet, dann 7 Minuten in den Dampfmodus, zurück auf Espresso mit einem Leerbezug, eine Minute warten, beziehen. Dauerhaft temperaturstabil ist die Maschine danach noch nicht, für den ersten Espresso reicht es. Der Energieverbrauch ist beim schnellen und beim langsamen Aufheizen übrigens identisch. Alles dazu im Victoria-Test.
Du machst regelmäßig Milchgetränke und willst nicht warten
Dann brauchst du getrennte Kreise. Die Elizabeth PL92T ist ein echter Dualboiler mit 300-Milliliter-Brühkessel und abschaltbarem 600-Milliliter-Dampfkessel, heute für rund 1.000 Euro zu haben. Der Dampfboiler lässt sich bis 145 Grad regeln, er rollt kräftig und heizt dabei langsam. 2022 hielten wir 20 Minuten Aufheizzeit für ausreichend. In unserem Retest 2026, mit demselben, inzwischen drei Jahre alten Gerät, brauchte sie 25 bis 30 Minuten. Für Aufheizen und einen Espresso messen wir 0,171 kWh mit Dampfboiler, ohne Dampfboiler waren es 0,082 kWh.
2022 war sie für uns die beste Einstiegs-Dualboiler-Maschine, die wir gemessen hatten. Der Preis dafür sind ein dünner Edelstahlkorpus, ein Plastikgriff, ein Plastik-Dampfrad und ein Wassertank, der sich nur umständlich befüllen lässt. Im Retest fällt außerdem die Temperatur strenger aus: Innerhalb eines Bezugs steigt sie um vier bis fünf Grad an.
Wer mehr ausgeben kann, bekommt mit der Elizabeth 3 die modernere Nachfolgerin. Sie ist nach 20 Minuten auf Temperatur, der erste Bezug liegt bei eingestellten 94 °C bei 93,6 °C, sie dampft deutlich schneller und hat Bedienteile aus Holz statt Plastik. Dafür ist der Brühkessel kleiner: Im Minutentakt verliert sie über fünf Bezüge rund 2 Grad, mit zwei Minuten Pause zwischen den Bezügen bleibt sie stabil.
Die Alternative ist der Wärmetauscher Mara X. Er ist bis zu 10 Dezibel leiser als vergleichbare Zweikreiser und mit 22 Zentimetern außergewöhnlich schmal für eine E61-Maschine. In der Schweiz lag der Listenpreis bei 1.490 Franken, in der EU haben wir zahlreiche Angebote unter 1.000 Euro gefunden. Dafür musst du die Brühprioritätsmodi verstehen, sonst brüht die Maschine zu heiß.
Spüle nach dem Bezug, nicht davor. Die Mara X hat einen zweiten Temperaturfühler im Wärmetauscher, der auf durchlaufendes Wasser reagiert und nachheizt. Wenn du vor dem Bezug spülst, wie man es bei klassischen Zweikreisern macht, treibst du die Temperatur über den Sollwert. In unserer ersten Messreihe kamen so 93 bis 98 Grad heraus, mit der richtigen Routine liegen die drei Stufen bei 90 bis 95 Grad. Dazu zwei Minuten Pause zwischen den Bezügen. Beide Messreihen, die Schalterlogik und die vollständige Routine stehen im Test der Lelit Mara X.
Du willst Druckprofile speichern und wiederholen
Das kann bei Lelit bisher nur die Elizabeth 3, für 1.649 Euro in Edelstahl und 1.699 Euro in Schwarz oder Weiß. Auf zwei Tasten legt ihr je ein Profil mit bis zu fünf Druckstufen ab, etwa acht Sekunden bei 3 Bar zur Benetzung und danach 8,5 Bar. Zusätzlich könnt ihr mit dem Pagaia-Hebel den Fluss von Hand regeln und damit einen Shot retten, der zu schnell läuft. Mit 56 Dezibel ist sie leise, mit 0,075 kWh für Aufheizen und Espresso im Espresso-Modus sparsam. Im KM-Gesamturteil landet sie bei 61,7 von 100 Punkten, gebremst von 20 Minuten Aufheizzeit, Zeitsteuerung statt Volumetrik und dem Temperaturverlust bei vielen Bezügen hintereinander.
Du willst am Extraktionsprofil schrauben
Die Bianca V3, für über 2.000 Euro. Sie hat ein mechanisches Paddle und zusätzlich einen elektronischen Low-Flow-Modus, eine Rotationspumpe mit 8 bis 9 bar, die wir mit 61 Dezibel messen. Über das Paddle regelst du den Fluss von rund 2,5 Gramm pro Sekunde in der 6-Uhr-Stellung bis knapp 6 Gramm bei offener Stellung, der elektronische Low-Flow liegt bei 1,5 bis 1,7 Gramm pro Sekunde und 3,1 bar.
Die Temperaturwerte sind die besten im gesamten Lelit-Feld: 93 Grad Zieltemperatur mit einer Abweichung von einem Grad, Standardabweichung 0,99 Grad im KM-Protokoll nach 17 Minuten und 0,69 Grad im WBC-Protokoll nach einer Stunde. Und trotz E61-Gruppe ist sie nach 17 Minuten auf Temperatur, also 8 bis 12 Minuten schneller als der Durchschnitt der E61-Maschinen. Beim Verbrauch schlägt der große Dampfboiler zu: 0,133 kWh für fünf Espressi, aber 0,43 kWh, sobald der Dampfboiler mitläuft.
Der Punkt an der Bianca ist, dass du sie in zwei Modi fahren kannst: als solide E61-Maschine ohne Nachdenken oder als Profiling-Maschine, an der du bei jedem Shot den Fluss steuerst. Sie wächst mit, deshalb empfehlen wir sie auch Einsteigerinnen und Einsteigern. Mit 27 Kilogramm und 50 Zentimetern Tiefe braucht sie allerdings Platz.

Du willst Flow Profiling, aber günstiger
Dann liegt die Mara X3 für 1.699 Euro nahe. Die Flusssteuerung funktioniert gut, der Hebel regelt von 6 auf rund 3,5 Milliliter pro Sekunde, und die Pumpe geht dabei auf unter 50 Dezibel zurück. Im KM-Protokoll, das den Alltag zu Hause abbildet, ist die Temperaturführung in Ordnung.
Im WBC-Stresstest über 14 Bezüge messen wir dagegen ein Temperaturfenster von 7 Grad. Das haben wir im Test klar als Versagen gewertet. Für eine Maschine in der Küche wiegt das weniger schwer als für den Gastronomieeinsatz, wer aber regelmäßig viele Getränke hintereinander macht, ist mit einem Dualboiler besser bedient. Im KM-Gesamturteil landet die Maschine bei 50,2 von 100 Punkten. Für 500 Euro Aufpreis gegenüber der Vorgängerin bekommst du also Flow Control. Wer Profile speichern will, findet das bei Lelit nur in der Elizabeth 3, nicht in der Mara X3.
Du suchst eine Lelit-Mühle
Hier müssen wir bremsen. Die beiden Fred-Modelle PL044MMT und PL043MMI hatten mit 336 und 349 Mikrometern die breitesten Hauptpeaks in unserem ersten Testfeld aus 24 direkt verglichenen Mühlen. Die beste Mühle dort lag bei 180 Mikrometern. Das schmeckt man: Der Espresso wirkt ausgefranst, die Säure steht allein. Für puren Espresso können wir die Freds nicht empfehlen.
Die William PL72 ist ein anderer Fall. Ihr Mahlgut ist gut, der Grob-Peak liegt mit 227 Mikrometern schmal. Das Problem ist die Einstellung: Der Mahlgrad lässt sich nach einer Verstellung nicht verlässlich wiederfinden. Dafür hat sie eine Eigenschaft, die wir bei keiner anderen Mühle so gesehen haben. Sie mahlt sich vollständig leer, 18 Gramm rein, 18 Gramm raus. Wer schon eine PL72 besitzt und gerne verschiedene Kaffees nebeneinander trinkt, sollte sie ausschließlich im Single Dosing betreiben.
Die Lelit Steve ist seit 2026 die Nachfolgerin der William und kostet ab 469 Euro. Sie macht einiges besser: 30,3 Gramm in 10 Sekunden, 81,8 Dezibel mit angenehmem Mahlgeräusch, ein Hauptpeak von 243 Mikrometern und ein Feinpeak von 39,4 Prozent, also viel Körper und eine Verteilung, die von dunklen bis zu mittleren Röstungen breit trägt. Zwei Dinge sind aber schlechter geworden oder geblieben. Das Leermahlen funktioniert nicht mehr, in der Mühle bleiben 5,2 Gramm temporärer Totraum, Single Dosing fällt damit weg. Und das Spiel in der Mahlgradverstellung ist geblieben: Nach dem Weg über Ristretto und Lungo zurück auf den Ausgangsmahlgrad läuft dasselbe Rezept in 14 bis 15 statt 25 Sekunden durch. Wer eine Bohne fährt und sie immer wieder nachfüllt, kommt damit gut zurecht, alle anderen nicht.
Wenn du frei wählen kannst, schau in unsere Übersicht der besten Espressomühlen. Inzwischen haben wir über 100 Mühlen getestet, die Auswahl ist also deutlich größer als zum Zeitpunkt der Lelit-Tests. Für Milchmischgetränke sind die Freds durchaus brauchbar, weil Milch geschmackliche Unwucht abfedert.
Vertrieb und Fachhandel
Lelit verkauft nicht direkt, sondern über Fachhandel, Onlineshops und Amazon. Der Amazon-Kanal war laut Bresciaoggi ein wesentlicher Treiber des schnellen Wachstums, was für einen Hersteller in diesem Preissegment ungewöhnlich ist.
Für dich als Käufer heißt das vor allem: Die Preise gehen weit auseinander. Bei der Elizabeth haben wir zum Testzeitpunkt 2022 in der Schweiz Preise zwischen 1.100 Franken bei den großen Onlineplattformen und 1.600 Franken im lokalen Handel gesehen, bei einem deutschen Einstiegspreis von rund 1.050 Euro. Heute bekommst du sie für rund 1.000 Euro. Ein Preisvergleich lohnt sich hier mehr als bei anderen Herstellern.
Wir selbst verkaufen keine Espressomaschinen. In den Einzeltests nennen wir Fachbetriebe, bei denen wir den Kauf empfehlen würden, weil sie die Geräte kennen und im Servicefall selbst Hand anlegen. Bei einem Kauf über einen Marktplatz hast du diesen Ansprechpartner nicht.
Vergleichstabelle: unsere Messwerte
Alle Werte sind eigene Messungen aus den verlinkten Einzeltests, keine Herstellerangaben. Ein Strich heißt, dass wir den Wert in diesem Test nicht erhoben haben.
| Modell | Preis* | Gewicht | Aufheizzeit | Verbrauch | Einsatzzweck |
|---|---|---|---|---|---|
| Victoria PL91T | ca. 800 € | 10,9 kg | 23 Min. | – | Espresso pur, wenig Milch |
| Mara X V2 | ca. 1.000 € (EU) | 18,0 kg | – | – | Espresso und Milch, leise, schmal |
| Mara X3 | ca. 1.699 € | 18,3 kg | 24 Min. | 0,266 kWh** | Flow Profiling, einzelne Bezüge |
| Elizabeth PL92T | ca. 1.000 € | 12,0 kg | 25–30 Min. | 0,082 / 0,171 kWh**** | Milchgetränke ohne Umschalten |
| Elizabeth 3 | ca. 1.650 € | 15,0 kg | 20 Min. | 0,075 / 0,154 kWh**** | Druckprofile speichern, Milchgetränke |
| Bianca V3 | über 2.000 € | 27,0 kg | 17 Min. | 0,133 / 0,43 kWh*** | Profiling, Flusskontrolle |
| Steve (PM20) | ab 469 € | 6,5 kg | entfällt | entfällt | eine Bohne im Bohnenbehälter, Zeitdosierung |
| William PL72 | ca. 417 € | 6,6 kg | entfällt | entfällt | Single Dosing, verschiedene Kaffees |
| Fred PL044MMT | ca. 235 € | – | entfällt | entfällt | Milchmischgetränke, Einstieg |
| Fred PL043MMI | ca. 185 € | – | entfällt | entfällt | Milchmischgetränke, Einstieg |
* Preise zum jeweiligen Testzeitpunkt und als Orientierung zu verstehen. Lelit-Preise schwanken im Handel deutlich.
** Aufheizen plus ein Espresso im Espresso-Modus.
*** Jeweils Aufheizen plus fünf doppelte Espressi. Der erste Wert ohne, der zweite mit zugeschaltetem Dampfboiler.
**** Aufheizen plus ein Espresso nach unserer aktuellen Leistungsmessung. Der erste Wert ohne, der zweite mit zugeschaltetem Dampfboiler. Elizabeth PL92T: Wert ohne Dampfboiler aus einer Messung von 2023, mit Dampfboiler aus dem Retest 2026.
Temperaturmesswerte im Vergleich
Die Temperaturführung trennt das Feld deutlicher als der Preis. Deshalb hier separat:
| Modell | Gemessene Temperatur | Standardabweichung / Fenster | Was du wissen musst |
|---|---|---|---|
| Bianca V3 | 93 °C, +/- 1 °C | 0,99 ° (KM) / 0,69 ° (WBC) | Bestwert im Lelit-Feld, Offset 6 °C |
| Victoria PL91T | – | 1,28 ° über 14 Bezüge (WBC) | deutliche Offset-Abweichung |
| Mara X V2 | 90 bis 95 °C je nach Stufe | – | nach dem Bezug spülen, sonst zu heiß |
| Elizabeth PL92T | nach 25 Min.: Bezug 1 bei 90,7 °C, danach 92,5–94,0 °C (eingestellt 94 °C) | Fenster von 6,9 ° im WBC-Stresstest | 25–30 Min. aufheizen, bis 30 Min. zwei Grad über Ziel einstellen |
| Elizabeth 3 | nach 20 Min.: Bezug 1 bei 93,6 °C, ab Bezug 3 91,6–91,8 °C (eingestellt 94 °C) | Fenster von 5,5 ° im WBC-Stresstest | bei mehreren Bezügen zwei Minuten Pause |
| Mara X3 | Stufen 88 / 92 / 96 °C | Fenster von 7 ° im WBC-Stresstest | Stresstest als Versagen gewertet, KM-Protokoll in Ordnung |
Welches Protokoll zählt, hängt von der Nutzung ab. Das KM-Protokoll misst den Alltag zu Hause: aufheizen und einzelne Bezüge ziehen. Das WBC-Protokoll misst Dauerlast über 14 Bezüge und ist damit vor allem für den Gastronomieeinsatz aussagekräftig. Bei einem Zweikreiser für die Küche ist deshalb der einzelne Bezug entscheidend, nicht der Stresstest. Beide Verfahren erklären wir im Testprotokoll Espressomaschinen.
Häufige Fragen zu Lelit
Ist Lelit noch ein italienisches Unternehmen?
Die Marke und die Fertigung sind italienisch, der Eigentümer nicht. Seit Juli 2022 gehört Lelit zur australischen Breville (Sage) Group. Produziert wird weiter im Werk in Castegnato bei Brescia, die Gründerfamilie Epis ist im Unternehmen geblieben.
Welche Lelit ist die beste Espressomaschine?
Nach unseren Messungen die Bianca V3, wenn Budget und Stellfläche passen. Sie hat die beste Temperaturführung im gesamten Lelit-Feld und die kürzeste Aufheizzeit unter den E61-Maschinen. Wer speicherbare Druckprofile in einem kompakten Dualboiler will, nimmt die Elizabeth 3. Für ein kleineres Budget ist die Elizabeth PL92T weiterhin ein Einstieg in die Dualboiler-Klasse, wenn du mit Plastikteilen und längerer Aufheizzeit leben kannst. Für puren Espresso mit kleinem Budget reicht die Victoria.
Elizabeth PL92T oder Elizabeth 3?
Die Elizabeth 3 ist schneller auf Temperatur (20 statt 25 bis 30 Minuten), dampft kräftiger, hat Bedienteile aus Holz und speichert Druckprofile. Die PL92T hält dafür die Temperatur bei vielen Bezügen hintereinander etwas besser und kostet mit rund 1.000 Euro deutlich weniger. Alle Werte im direkten Vergleich stehen im Test der Elizabeth 3.
Lelit Mara X oder Elizabeth?
Die Mara X ist leiser, schmaler und arbeitet mit der E61-Gruppe, also mit thermischer Trägheit. Die Elizabeth hat zwei echte Kessel und ist beim Dampf souveräner, ist aber schlechter verarbeitet und braucht in unserem Retest 25 bis 30 Minuten, bis sie wirklich auf Temperatur ist. Wenn du viele Milchgetränke hintereinander machst, nimm die Elizabeth. Wenn dir Verarbeitung, Geräusch und Stellfläche wichtiger sind, die Mara X.
Wie lange muss eine Lelit aufheizen?
Gemessen haben wir: Bianca V3 17 Minuten, Elizabeth 3 20 Minuten, Victoria PL91T 23 Minuten, Mara X3 24 Minuten, Elizabeth PL92T 25 bis 30 Minuten. Die Bianca ist damit trotz E61-Gruppe die schnellste, weil ihr Brühkessel isoliert ist. Rechne bei allen Maschinen damit, dass dauerhafte Temperaturstabilität später einsetzt als die Brühbereitschaft, die die Anzeige meldet.
Was ist der Unterschied zwischen Mara X V1, V2 und X3?
V1 und V2 sind technisch nahezu identisch, die V1 erkennst du am roten Logo. Unterschiede gibt es in der Steuerungslogik, weshalb einige Maschinen mit Anleitungen der jeweils anderen Version ausgeliefert wurden. Die Mara X3 ist ein größerer Sprung, sie bringt Pagaia mit, also die elektronische Flussregelung über einen Hebel, und kostet 1.699 Euro. In der Temperatur verhält sie sich ähnlich wie die V2, die Flusssteuerung bringt aber eine weitere Ebene ins Spiel, die die Temperatur beeinflussen kann. Details in unseren Tests zur Mara X und zur Mara X3.
Was kostet Pagaia?
Die in Brüssel genannten 300 Euro Aufpreis lassen sich mit den Preisen zum Marktstart nicht nachvollziehen. Die Elizabeth 3 kostet 1.649 Euro in Edelstahl und 1.699 Euro in Schwarz oder Weiß, die Victoria 3 laut Lelit 1.149 und 1.199 Euro. Die Elizabeth PL92T bekommst du heute für rund 1.000 Euro. Bei der Mara X3 ist Pagaia fest eingebaut, sie kostet 1.699 Euro und damit rund 500 Euro mehr als die Vorgängerin.
Sind Lelit-Mühlen empfehlenswert?
Für puren Espresso nach unseren Messungen nur eingeschränkt. Die beiden Fred-Modelle streuen zu breit. Die William PL72 mahlt gut, lässt sich aber nicht verlässlich wieder auf denselben Mahlgrad einstellen, und lohnt sich vor allem für Bestandsbesitzer im Single Dosing. Am weitesten kommt die Steve: Ihre Partikelverteilung trägt einen guten Espresso, die Mahlgradverstellung bleibt aber ungenau und Single Dosing funktioniert nicht. Wer überwiegend Cappuccino trinkt, kann auch mit den Freds arbeiten.
Lohnt sich eine gebrauchte Lelit?
Bei den E61-Maschinen ja, weil die Technik gut dokumentiert und Ersatzteile verfügbar sind. Achte auf Verkalkung, den Zustand der Dichtungen an der Brühgruppe und darauf, welche Generation du kaufst. Bei der Mara X ist die Versionsfrage keine Kleinigkeit, sondern entscheidet über die Bedienung der Brühpriorität.
Welche Lelit habt ihr noch nicht getestet?
Anna PL41TEM und Anita sind bei uns in Arbeit. Die Kate und die Victoria 3 stehen derzeit noch aus. Zur Bianca V4 und zur Victoria 3 folgen weitere Tests.
Fazit
Lelit ist der Hersteller, der das Prosumer-Segment nach unten geöffnet hat. Die Elizabeth PL92T liefert für rund 1.000 Euro einen echten Dualboiler, die Elizabeth 3 bringt speicherbare Druckprofile in eine Preisklasse, in der es sie bisher nicht gab, und die Bianca V3 kombiniert die besten Temperaturwerte im Lelit-Feld mit 17 Minuten Aufheizzeit und voller Flusskontrolle. Das ist die Stärke der Marke.
Die Schwäche ist die Ausführung im Detail: dünne Bleche, bei älteren Modellen Plastik an Stellen, die man täglich anfasst, umständliche Wassertanks. Mit der Elizabeth 3 hat Lelit davon einiges behoben. Und bei der Mara X3 zeigt sich, dass eine neue Funktion nicht automatisch eine bessere Maschine ergibt. Im Alltag zu Hause liegt die Temperatur im Zielbereich, im Dauerlast-Stresstest fällt sie mit sieben Grad Fenster durch. Auch die Elizabeth 3 verliert bei vielen Bezügen hintereinander Temperatur.
Bei den Mühlen fällt das Urteil geteilt aus. Die beiden Fred-Modelle liefern die breiteste Partikelverteilung unseres ersten Testfelds und taugen für Espresso nicht. Die William PL72 mahlt gut, scheitert aber an der Reproduzierbarkeit der Mahlgradeinstellung. Die Steve zeigt fünf Jahre später, wo Lelit steht: schneller, leiser, mit guter Partikelverteilung, aber mit demselben Spiel in der Mahlgradverstellung und ohne die Fähigkeit der William, sich leer zu mahlen. In allen drei Fällen merkt man, dass hier ein Maschinenbauer eine Mühle gebaut hat: ein Mahlwerk im selbst gekanteten Chromstahlkleid, ohne die Präzision der Spezialisten am Verstellmechanismus.
Wenn du eine Lelit kaufst, kaufe die Maschine und such die Mühle woanders.
Bis auf die Elizabeth 3 haben wir alle in diesem Artikel genannten Geräte selbst gekauft. Für die Elizabeth 3, die wir vor dem Marktstart erhalten haben, spenden wir den Kaufpreis an ein Sozialprojekt in Brasilien. Keiner der verlinkten Tests wurde von Lelit angefragt oder autorisiert. Wir verkaufen seit drei Jahren keine Espressomaschinen. Die Messwerte in beiden Tabellen stammen aus den Einzeltests zu Victoria PL91T, Mara X V2, Mara X3, Elizabeth PL92T (Retest 2026), Elizabeth 3, Bianca V3, Steve, William PL72 sowie Fred PL044MMT und PL043MMI.
















